In Deutschland steht eine grundlegende Reform des Gesundheitswesens bevor, die weitreichende Konsequenzen für die gesetzlich Versicherten haben wird. Das Gesundheits-Sparpaket, das etwa 75 Millionen Bundesbürger betrifft, zielt darauf ab, die steigenden Ausgaben der Krankenkassen, die von 249 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf 312 Milliarden Euro angestiegen sind, zu kontrollieren. Laut einer Expertenkommission wird für 2024 ein Defizit von 15 Milliarden Euro und bis 2030 über 40 Milliarden Euro prognostiziert. Um dieser finanziellen Schieflage entgegenzuwirken, sind Einsparungen von über 38 Milliarden Euro bis 2030 geplant, darunter 16,3 Milliarden Euro im kommenden Jahr. (Tagesschau)
Die Reform beinhaltet eine Vielzahl von Änderungen, die insbesondere die finanziellen Belastungen der Versicherten erhöhen werden. So wird die beitragsfreie Mitversicherung von Ehe- oder Lebenspartnern ab 2028 abgeschafft, und es wird ein Beitragszuschlag von 2,5 Prozentpunkten auf das beitragspflichtige Einkommen für nicht versicherte Partner fällig. Auch die Beitragsbemessungsgrenze wird um 300 Euro auf 5.812,50 Euro angehoben, was vor allem Besserverdienende betrifft. Darüber hinaus werden Leistungen wie Homöopathie und die Kostenübernahme für Cannabis-Blüten nicht mehr von den Krankenkassen getragen, und die Zuschüsse für Zahnersatz sinken von 60 % auf 50 %.
Erhöhungen der Zuzahlungen und Einsparungen bei den Kassen
Die Zuzahlungen für Medikamente werden ebenfalls teurer: Die Mindestzuzahlung steigt von 5 Euro auf 7,50 Euro, während die maximale Zuzahlung von 10 Euro auf 15 Euro ansteigt. Für die Physiotherapie und häusliche Krankenpflege wird ein pauschaler Betrag von 15 Euro pro Verordnung fällig. Trotz dieser Erhöhungen sollen die Krankenkassenbeiträge selbst nicht steigen, was bedeutet, dass die Reform vor allem durch Einsparungen und Kostensenkungen in anderen Bereichen finanziert werden muss. (ZDF)
Zusätzlich plant der Bund, die Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenkassen zu begrenzen und die Werbeausgaben zu halbieren, um die Effizienz zu steigern. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die gesetzliche Krankenversicherung bis 2027 um insgesamt 20 Milliarden Euro zu entlasten. Die Kosten für medizinische Leistungen steigen schneller als die Einnahmen, was die Notwendigkeit solcher Reformen unterstreicht. Ohne diese Maßnahmen droht ein Defizit von etwa 15 Milliarden Euro im nächsten Jahr, und die Versicherten müssen mit höheren Zuzahlungen für Medikamente, Therapien und Krankengeld rechnen. (Zeit)
Auswirkungen auf Versicherte und kommende Herausforderungen
Die anstehenden Veränderungen betreffen vor allem die Versicherten in Deutschland, und insbesondere Besserverdienende sowie Ehepaare mit Mitversicherung müssen mit höheren Beitragslasten rechnen. Während für Personen, die weniger als 5.812,50 Euro brutto verdienen und keine Mitversicherung haben, keine höheren Beiträge fällig werden, wird der neue Zuschlag für die Mitversicherung nicht berufstätiger Ehepartner ab 2028 erhebliche finanzielle Belastungen verursachen. Darüber hinaus wird das Krankengeld von 70 % auf 65 % des Bruttogehalts gesenkt, was für viele einen spürbaren Einkommensverlust zur Folge haben könnte. (ZDF)
Insgesamt wird die Gesundheitsreform voraussichtlich im parlamentarischen Verfahren noch Anpassungen erfahren, bevor ein Beschluss vor der Sommerpause Anfang Juli 2026 gefällt wird. Proteste gegen die Reform sind bereits von der Gewerkschaft Ver.di angekündigt, da viele Versicherte befürchten, dass die geplanten Einsparungen zulasten ihrer Gesundheitsversorgung gehen. (Zeit)