Die Diskussion um den Zustand der Sportstätten in Deutschland hat zuletzt an Schärfe gewonnen. Am 1. Januar 2025 scheiterte Die Linke im Bundestag mit einem Antrag zur Sanierung maroder Sportstätten. In diesem Antrag wurde gefordert, über 15 Jahre hinweg jährlich eine Milliarde Euro in den Bundeshaushalt für die Sportstättensanierung einzustellen. Laut der jungen Welt verdeutlicht die Ablehnung des Antrags, dass dem Sport in der politischen Prioritätenliste nur ein geringer Stellenwert zugesprochen wird.

Im Koalitionsvertrag der Ampelregierung war zwar eine erhöhte Investition in die Sportstättensanierung vorgesehen, jedoch wurde das einzige Förderprogramm des Bundes vorzeitig beendet. Aktuell hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit über 28 Millionen Mitgliedschaften die größte Bürgerbewegung in Deutschland mobilisiert. Dennoch ignorieren die im Bundestag vertretenen Parteien mit insgesamt circa 1,2 Millionen Mitgliedern die Anliegen des DOSB. Nach den pandemiebedingten Einschränkungen stellte der Bund einmalig 25 Millionen Euro zur Verfügung, was pro Vereinsmitglied weniger als einen Euro entspricht.

Sanierungsbedarf und politische Mobilisierung

Schätzungen zufolge weisen bis zu 40 Prozent der kommunalen Sporthallen und Sportplätze bauliche Mängel auf, bei Schwimmbädern ist es sogar jedes zweite. Der Sanierungsstau im Sport wird auf 32 Milliarden Euro geschätzt, während jährlich zwei Milliarden Euro benötigt werden, um den Ist-Zustand der Anlagen zu erhalten. Eine stärkere politische Mobilisierung der Mitglieder des DOSB gestaltet sich als schwierig, wie aus der Berichterstattung der Nordkurier hervorgeht.

Der DOSB bezeichnete Deutschland 2021 im Sportstättenbau als einen Übergang vom Weltmeister zum Kreisligisten. Ein milliardenschwerer Sanierungsbedarf beeinträchtigt die Sportentwicklung und die Lebensqualität in vielen Regionen. Aktuell gibt es in Deutschland rund 231.000 Sportstätten, aber auch die Ausgaben der Länder und Kommunen reichen nicht aus, um den bestehenden Sanierungsbedarf zu decken.

Zudem betonte Professor Lutz Thieme im Oktober 2024, dass der Sanierungsstau weiter wächst. Um die Situation zu verbessern, schlug er ein „6-Punkte-Programm“ vor, das unter anderem ein klares Bekenntnis des Bundes zur Erhaltung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Bezug auf Sportstätten sowie die Auflage von Förderprogrammen umfasst. Der Deutsche Städtetag fordert ein langfristiges Sportstätteninvestitionsprogramm des Bundes mit einem jährlichen Fördervolumen von mindestens einer Milliarde Euro.