In der Stadt Zeitz fühlen sich viele Jugendliche von der politischen und gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen. Ein Gefühl der Stimm- und Bewegungslosigkeit prägt die Meinungen der jungen Menschen, die in dieser Region leben. So äußern zwei Jugendliche im Alter von 18 und 19 Jahren, dass sie gerne in Zeitz leben würden, jedoch die Freizeitmöglichkeiten stark eingeschränkt sind. Diese Empfindungen spiegeln sich auch in den Forderungen nach mehr Angeboten für junge Menschen wider. Hannah Hoffmann vom Else-Frenkel-Brunswik-Institut der Universität Leipzig bestätigt, dass die Eindrücke aus Zeitz mit aktuellen Studien übereinstimmen, die auf einen Rückgang von Freizeitangeboten hinweisen. Insbesondere viele Vereine leiden unter schlechten finanziellen Rahmenbedingungen und haben Schwierigkeiten, Nachwuchs zu gewinnen. Das Konzept der kollektiven Deprivation beschreibt das Gefühl, einer Gruppe benachteiligt zu sein, unabhängig von der individuellen finanziellen Situation.

Im Vergleich zu Zeitz ist die Stimmung unter den Jugendlichen in Leipzig, nur 40 Kilometer nördlich, deutlich positiver. Dort klagen junge Menschen nicht über fehlende Angebote, was darauf hindeutet, dass die Lebensqualität und die Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe regional stark variieren. Lena und Ella, 19 und 21 Jahre alt, engagieren sich aktiv in einer politischen Partei und haben keine Bedenken, ihre Stimme bei Wahlen abzugeben. Diese Diskrepanz zwischen den Städten wirft ein Licht auf die Herausforderungen, mit denen Jugendliche in weniger privilegierten Regionen konfrontiert sind.

Teilhabemöglichkeiten und soziale Ungleichheit

Die Studie „Teilhabeatlas Kinder und Jugendliche“ untersucht die Teilhabemöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland und basiert auf Daten aus 400 Kreisen und kreisfreien Städten. Die Analyse der Teilhabemöglichkeiten zeigt gravierende Unterschiede: In einigen Regionen verlassen bis zu 15% der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss, während in anderen Gebieten nur 3% betroffen sind. Die Kinderarmut variiert stark und liegt in bestimmten Ruhrgebietsgemeinden bei 20-30%, während sie in wirtschaftlich starken ländlichen Regionen Süddeutschlands unter 4% liegt. Der Zusammenhang zwischen hoher Kinderarmut und hohen Anteilen an Schulabgänger:innen ohne Abschluss sowie an Jugendarbeitslosigkeit verdeutlicht den politischen Handlungsbedarf zur Verbesserung der Startbedingungen für junge Menschen in Deutschland.

Die Gespräche mit 222 jungen Menschen und 39 Fachkräften aus der Kinder- und Jugendarbeit zeigen, dass wichtige Aspekte für die Jugend unter anderem Mitgestaltungsmöglichkeiten, öffentliche Aufenthaltsorte und eigenständige Mobilität sind. Viele Jugendliche berichten, dass sie sich oft nicht ernst genommen fühlen und echte Beteiligungsformate vermissen. Dies steht in direktem Widerspruch zu den politischen Versprechen, Chancengleichheit und gesellschaftliche Teilhabe für die Jugend zu schaffen. Ein funktionierendes Mobilitätsangebot ist entscheidend für die gesellschaftliche Teilhabe der jungen Generation.

Ausblick und Handlungsempfehlungen

Die Ergebnisse des „Teilhabeatlas Kinder und Jugendliche“ werden im Herbst 2025 von der Wüstenrot Stiftung, dem Berlin-Institut und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung in mehreren Städten vorgestellt. Diese Veranstaltungen zielen darauf ab, regionale Besonderheiten zu beleuchten und mit Fachkräften sowie Entscheidungsträger:innen über die Stärkung der Teilhabe junger Menschen zu diskutieren. Geplant sind Veranstaltungen unter anderem in Düsseldorf, Dresden, Stuttgart, Kiel und Frankfurt, die eine wichtige Plattform für den Austausch über die Herausforderungen und Bedürfnisse junger Menschen bieten.

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Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der gesellschaftliche und politische Wille dringend erforderlich ist, um die Teilhabemöglichkeiten für Jugendliche in Deutschland zu verbessern. Die Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse und die Schaffung von entsprechenden Angeboten sind entscheidend, um das Gefühl der Stimm- und Bewegungslosigkeit in Städten wie Zeitz zu überwinden. Nur so kann eine lebendige und engagierte Jugend entstehen, die aktiv an der Gestaltung ihrer Zukunft mitwirkt.