In Deutschland zeigt sich ein besorgniserregendes Bild in Bezug auf die medizinische Versorgung von Frauen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) ist das Gesundheitswesen unzureichend auf die Bedürfnisse von Frauen ausgerichtet. Die Präsidentin der DGIM, Dagmar Führer-Sakel, hebt hervor, dass die Forschung zur geschlechtssensiblen Ausrichtung der Medizin noch am Anfang steht. Insbesondere in den Bereichen hormonelle und molekulare Grundlagen ist die Forschung unzureichend.

Ein zentrales Problem ist, dass viele Studien überwiegend an männlichen Probanden durchgeführt werden und die Ergebnisse oft ohne Differenzierung auf Frauen übertragen werden. Dabei sind körperliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen, wie Muskelmasse, Fettverteilung und Hormone, für die Medizin von großer Bedeutung, da sie die Wirkung von Medikamenten und Therapien beeinflussen können. Studien belegen, dass geschlechtsspezifische Unterschiede in der Forschung, insbesondere bei autoimmunen Erkrankungen, Krebs und kardiovaskulären Erkrankungen, über Jahrzehnte hinweg zu wenig berücksichtigt wurden. Ein alarmierendes Beispiel ist, dass Frauen in Notaufnahmen im Schnitt 30 Minuten länger auf Hilfe warten als Männer und bei gleicher Schmerzstärke weniger Schmerzmittel erhalten.

Herausforderungen in der medizinischen Versorgung

Zusätzlich wird in lebensbedrohlichen Situationen festgestellt, dass Frauen seltener reanimiert werden. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat zwar angekündigt, die Belange von Frauen in der Medizin zu stärken, jedoch sind konkrete Pläne derzeit noch nicht bekannt. Die DGIM vertritt mehr als 30.000 Internisten in Deutschland und sieht sich in der Verantwortung, auf diese Missstände aufmerksam zu machen.

Die Sicherheit der Patientinnen und Patienten hat für Ärztinnen und Ärzte höchste Priorität. Eine Berücksichtigung biologischer und soziokultureller Unterschiede zwischen Männern und Frauen ist dabei essenziell. Gendersensible Medizin wird zunehmend in die gesundheitliche Versorgung integriert und trägt zur Förderung der Patientensicherheit bei. Dies wird auch in einem aktuellen Vodcast thematisiert, in dem Hindernisse und Verbesserungsbedarf in der gendersensiblen Medizin diskutiert werden. Teilnehmer dieser Diskussion sind unter anderem Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, und Prof. Dr. Sabine Oertelt-Prigione, Expertin für Geschlechtersensible Medizin.

Forschung und Entwicklung

Die Entwicklung der geschlechtssensiblen Medizin stellt einen bedeutenden Fortschritt dar, um Diskriminierungsrisiken im Gesundheitswesen zu minimieren. Laut einer Studie von Bartig et al. (2021) besteht ein erheblicher Forschungsbedarf im Bereich der Antidiskriminierungsforschung. Zahlreiche Studien, wie die von Canto et al. (2012) und Vaccarino et al. (1995), zeigen auf, dass geschlechtsspezifische Unterschiede nicht nur die Behandlung, sondern auch die Sterblichkeit und den Verlauf von Erkrankungen beeinflussen können.

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Die Integration von Geschlecht und Geschlechtermedizin in medizinische Curricula ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, um zukünftige Ärztinnen und Ärzte für diese wichtigen Themen zu sensibilisieren. Laut einer Analyse von Ludwig et al. (2015) ist diese Integration entscheidend für die Verbesserung der medizinischen Versorgung von Frauen. Es bleibt zu hoffen, dass sowohl die Politik als auch die medizinische Gemeinschaft die notwendigen Schritte unternehmen, um die Versorgung von Frauen zu verbessern und geschlechtsspezifische Unterschiede in der Gesundheit endlich ernsthaft zu adressieren.

Für weitere Informationen zu diesem Thema können Sie die Originalquelle sowie die Veröffentlichung der Bundesärztekammer einsehen.