Blanche Kommerell, eine einflussreiche Persönlichkeit in der deutschen Theater- und Filmgeschichte, feiert heute ihren 75. Geburtstag. Sie wurde am 10. März 1950 in Halle an der Saale geboren und ist die Tochter der bekannten Schauspielerin Ruth Kommerell. Ihre künstlerische Laufbahn begann bereits in der Kindheit, als sie mit 12 Jahren die Titelrolle im DEFA-Märchenfilm „Rotkäppchen“ (1962) spielte, was als ihr Durchbruch gilt. Die frühen Bühnenerfahrungen waren prägend für sie, da sie oft mit ihrer Mutter ins Theater ging.

Ein ganz besonderes Erlebnis war der Bühnentod ihrer Mutter in „Die Räuber“, den sie im jungen Alter von drei oder vier Jahren miterleben musste. Diese Erfahrung hinterließ einen bleibenden Eindruck, der sie letztlich in ihrer künstlerischen Entwicklung beeinflusste. Um sich auf eine schauspielerische Karriere vorzubereiten, studierte Kommerell zunächst Germanistik und Musikwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin (1968-1971), bevor sie zur Schauspielausbildung an die Staatliche Schauspielschule in Berlin wechselte.

Film und Theaterkarriere

Blanche Kommerells Schauspielkarriere nahm in den 1960er Jahren Fahrt auf. Neben ihrer Rolle in „Rotkäppchen“ trat sie 1966 an der Seite ihrer Mutter in „Die Söhne der großen Bärin“ auf und erlangte 1974 sogar den Silbernen Bären für ihre Darstellung der Rosa Frankfurter im Oscar-nominierten Film „Jakob der Lügner“. Ihre vielseitigen Talente führten zu Engagements an renommierten Bühnen in Magdeburg, Potsdam, Senftenberg und Leipzig sowie am Deutschen Theater Berlin ab 1975. Besondere Bekanntheit erlangte sie auch durch ihre Auftritte in Märchenfilmen der DEFA und des DFF.

Jedoch gestaltete sich ihre Karriere nach einem Protest gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann im Jahr 1976 schwierig, was zur Kündigung ihrer Verträge führte. In den darauffolgenden zehn Jahren blieb ihr das Schauspielengagement weitgehend verwehrt. Diese Zwangspause nutzte sie, um sich dem Schreiben zuzuwenden, was in der Veröffentlichung von 15 Büchern mündete. 1988 kehrte sie mit einer Rolle in dem Film „Die Schauspielerin“ zurück.

Lehrtätigkeit und Rückzug aus dem Schauspielgeschäft

Nach der Wende sah sich Kommerell mit der Herausforderung konfrontiert, in der gesamtdeutschen Theaterlandschaft Fuß zu fassen. Im Jahr 1990 erhielt sie einen Lehrauftrag für Sprache und Schauspiel an der Universität Witten-Herdecke, wo sie ein Studententheater leitet. Ihre Lehrtätigkeit setzte sie später auch an der Hochschule der Künste Berlin fort und baute eine eigene Reihe literarischer Lesungen im Literaturhaus Berlin ab 2003 auf.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Über die Jahre engagierte sich Kommerell auch in der Literaturszene mit Lesungen von Autoren wie Anna Achmatowa und Ingeborg Bachmann. Besonders hervorzuheben ist ihr Erinnerungsbuch „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende“, das im Gedenken an ihren 2020 verstorbenen Mann Alexander Weigel entstand. Aktuell wohnt sie in Görlitz, wo sie weiterhin auf der Bühne aktiv ist und in „La Bohéme“ spielt.

Blanche Kommerell ist nicht nur eine talentierte Schauspielerin, sondern auch eine gefühlvolle Autorin und engagierte Pädagogin, die das Theater und die Literatur in Deutschland bereichert hat. Ihre bemerkenswerte Karriere ist ein inspirierendes Beispiel für Durchhaltevermögen und Kreativität in wechselvollen Zeiten.