Am 13. Januar 2025 erforscht die Universitätsbibliothek Leipzig die Netzwerke von Klöstern, insbesondere die Verbindungen des Klosters St. Marienthal. Diese Forschung ist Teil eines umfassenderen Projekts, das die Querverbindungen zu anderen Zisterzienserklöstern beleuchtet. Vorangegangene Studien haben gezeigt, dass viele der in Marienthal aufbewahrten Handschriften ursprünglich aus anderen Klöstern stammen und während der Reformation oder als Ausgleich für Klosterbrände nach Marienthal gelangten.

In der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) sind alle relevanten Handschriften sicher gelagert, darunter der berühmte Marienthaler Psalter aus dem 13. Jahrhundert. Ursprünglich plante das Kloster, diesen Psalter zu verkaufen, jedoch wurde entschieden, dass alte Bücher an ihrem ursprünglichen Standort verbleiben sollten. Ziel ist es, das Ensemble der Bibliothek nicht zu zerstören.

Exklusive Ausstellung im Buchmuseum

Im Rahmen dieses Forschungsprojekts wird vom 29. Januar bis 17. Mai 2025 die Ausstellung „Der verschlossene Garten. Zugänge zur Klosterbibliothek der Zisterzienserinnen von St. Marienthal“ im Buchmuseum der SLUB eröffnet. Die Ausstellung zeigt mittelalterliche Handschriften und ausgewählte Drucke aus der Klosterbibliothek, einschließlich des historischen Marienthaler Psalters und des Altzeller Kapiteloffiziumsbuches.

Der Marienthaler Psalter, der neu erforscht wird, ist eine Handschrift auf Pergament mit 190 Blatt, die im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts entstand. Er stammt vermutlich aus dem fränkischen Raum und wurde für eine adlige Dame gefertigt. Zu den Inhalten gehören 150 Psalmen sowie diverse liturgische Texte und Gebete. Die Schrift der Psalmen wurde von zwei Schreibern in frühgotischer Minuskel verfasst und ist von solch hoher Qualität, dass sie heute als wertvoller Teil des Klosterbestandes gilt.

Historische Dimensionen der Klosterbibliothek

Die Bibliothek des Klosters St. Marienthal hat eine lange Geschichte. Um 1910 wurde sie in einem neu errichteten Anbau untergebracht, nachdem die Spiritaner im Jahr 1864 nach Marienstatt kamen und eine neue Klosterbibliothek gründeten. Dabei wurden viele Bücher zurückgelassen, die in der Folge der Wiederbesiedlung 1888 wieder hinzugefügt wurden.
Die Stilgeschichte der Bibliothek umfasst verschiedene Epochen. Barocke Skulpturen der zwölf Apostel wurden in die neue Bibliothek integriert, als der heutige Bibliotheksbau 1909 fertiggestellt wurde.

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Heute verfügt die Bibliothek über mehr als 111.000 Medieneinheiten, wovon ca. 21.500 Bücher als historischer Altbestand gelten. Der Altbestand ist seit 2017 als national wertvolles Kulturgut geschützt und umfasst auch Teile der Privatbibliothek des ersten Abtes Dominikus Willi sowie weitere seltene Handschriften und Drucke.

Die Bibliothek in Marienstatt ist für Wissenschaft und Forschung nach vorheriger Terminvereinbarung zugänglich und bietet regelmäßige Führungen an, um den historischen Buchbestand zu präsentieren. Zudem wird ein Bestanderhaltungskonzept verfolgt, das den sorgsamen Umgang mit dem Altbestand und die Schadensprävention regelt.

Die Sächsische Landesbibliothek hat durch ihre Ausstellung und die laufende Forschung einen bedeutenden Beitrag dazu geleistet, das kulturelle Erbe der Zisterzienserinnen und ihre schriftlichen Zeugnisse zu bewahren. Der Marienthaler Psalter und die anderen Schätze der Klosterbibliothek stehen somit im Fokus nicht nur der Forschung, sondern auch der kulturellen Bildung und Öffentlichkeit.