Die Stadt Görlitz hat ihre Tourismusbilanz für das Jahr 2024 präsentiert, die mit über 320.000 Übernachtungen hinter den Rekordzahlen des Vorjahres zurückbleibt. Ralph Wielsch, Betreiber der Pension Wielsch, vermeldete eine gute Buchungslage, jedoch musste die Stadt im Vergleich zu den 328.265 Übernachtungen 2023 einen Rückgang hinnehmen. Eva Wittig, Geschäftsführerin der Europastadt Görlitz/Zgorzelec, bezeichnete die aktuellen Zahlen dennoch als Beleg für die anhaltende Beliebtheit der Stadt bei Besuchern.
Während Sachsen insgesamt einen Anstieg der Tourismuszahlen von 2,7% bei Gästeankünften und 0,6% bei Übernachtungen verzeichnen konnte, fiel Görlitz im ersten Halbjahr 2024 um 2,1% in der Zahl der Übernachtungen. Die Ankünfte stiegen jedoch leicht um 0,4%, was auf eine gewisse Stabilisierung im Markt hinweist. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste remained preisstabil und lag konstant bei 2,2 Tagen.
Entwicklung des Tourismus
Jörg Daubner, Vorsitzender des Tourismusvereins Görlitz, äußerte sich optimistisch über die Reiselust der Gäste. Diese scheint zuzunehmen, auch wenn die Urlauber zunehmend preissensibel agieren. Die Analyse zeigt, dass die Mehrheit der Gäste in Sachsen und Görlitz in Hotels übernachtet. Insbesondere die Beliebtheit von Ferienwohnungen wuchs um 6% bei Ankünften und um 2% bei Übernachtungen. Zugleich verzeichnete der Sektor der Hotels garni einen Aufschwung, während die Nachfrage nach Pensionen insgesamt zurückging.
Bernd Förster von der Pension zur Wartburg berichtete von einer guten, aber im Vergleich zu den Corona-Jahren rückläufigen Buchungslage. Der Winter 2023/2024 war für viele Betriebe weniger erfolgreich, insbesondere der Dezember stellte eine Herausforderung dar. Trotz dieser Rückgänge bleibt der Tourismus ein zentraler Wirtschaftsfaktor in Görlitz, der nach dem Umbruch 1989 einen Aufschwung erlebte.
Internationale Besucher und künftige Ziele
Die meisten Gäste in Görlitz kommen aus Deutschland, während der Anteil internationaler Urlauber bei 6,4% liegt. Polnische Touristen stellen weiterhin die größte Gruppe unter den internationalen Gästen. Besonders bemerkenswert ist der Anstieg der Schweizer Gäste um 22%. Für die kommenden Jahre strebt die Stadt weiteres Wachstum im Tourismus an, um die wirtschaftliche Bedeutung dieser Branche zu unterstreichen.
Wittig plant, die digitale Gästemappe für 2024 um mehrsprachige Angebote zu erweitern und einen audiovisuellen Reiseführer einzuführen. Neben den Herausforderungen im Bereich Fachkräftemangel und steigende Kosten zielt die Vermarktung auf die Positionierung Görlitz als Kultur- und familienfreundliches Reiseziel ab. Die Zusammenarbeit mit regionalen und überregionalen Partnern wird dabei hervorgehoben.
Der Tourismus hat nicht nur ökonomische, sondern auch soziale Auswirkungen. Er unterstützt zahlreiche Wirtschaftsbereiche wie das Gastgewerbe, den Einzelhandel und das Handwerk. Investitionen in die tourismusbezogene Infrastruktur sind entscheidend, um sowohl den Gästen als auch den Einheimischen zu helfen und die Lebensqualität zu steigern. Diese positive Entwicklung zeigt, dass der Tourismussektor nach wie vor ein unverzichtbarer Bestandteil der wirtschaftlichen Struktur in Görlitz und Sachsen ist.