Am 28. Januar 2025 kehrt die deutsch-jüdische Künstlerin Nirit Sommerfeld nach Chemnitz zurück, ein Ort, der für ihre Familie eine schmerzhafte Geschichte birgt. Ihre Großeltern lebten und arbeiteten jahrzehntelang am Antonplatz 15, bevor die Nationalsozialisten die Familie vertrieben. Opa Julius, der dort einen Tuchhandel führte, wurde 1940 im KZ Sachsenhausen ermordet. Heute befindet sich auf dem früheren Grundstück der Sommerfelds ein Parkplatz, der in scharfem Kontrast zu der tiefen, oft tragischen Geschichte der jüdischen Gemeinde steht. Damit will Sommerfeld Schluss machen.
Im Rahmen der Kulturhauptstadt 2025 plant Sommerfeld, einen Kunst- und Kulturpavillon am Antonplatz zu errichten. Dieser Pavillon soll nicht nur Erinnerungsstätte sein, sondern auch ein Zentrum für Kunst, Kultur, Forschung, Begegnung und Jugendarbeit fördern. Sie sieht das Projekt als eine Möglichkeit, die schrecklichen Ereignisse der Vergangenheit zu gedenken und aus ihnen zu lernen, um ähnliche Gräueltaten in der Zukunft zu verhindern, wie deutschland.de berichtet.
Ein neues Zuhause in Chemnitz
Sommerfeld, die 1961 in Eilat, Israel, geboren wurde, hat Chemnitz nicht nur als reines Erinnerungsfeld für ihre Vergangenheit entdeckt, sondern auch als einen Ort, der sich gewandelt hat. Nachdem sie erstmals in den 1990er Jahren mit ihren Töchtern die Stadt besuchte und diese damals als kalt und abweisend empfund, hat sie festgestellt, dass Chemnitz heute einladender geworden ist. „Es ist leicht, mit Menschen in Kontakt zu kommen“, beschreibt sie die positive Veränderung in der Stadt.
Obwohl ihre Familie verhalten auf ihren Umzug nach Chemnitz reagierte, hat Sommerfeld beschlossen, eine kleine Wohnung am Sonnenberg zu beziehen. Die negative Besetzung der Stadt in ihrer Familiengeschichte ist für sie eine Herausforderung, die sie mit ihrem kreativen Schaffen angehen möchte. Auch wenn die Erinnerungen an die Vertreibung und die Enteignung des Hauses der Sommerfelds, aus dem viele Juden in Vernichtungslager deportiert wurden, schmerzlich sind, fühlt sie sich jetzt mehr denn je mit dieser Stadt verbunden.
Ein Ort des Gedenkens und der Begegnung
Nirit Sommerfeld hat sich aktiv in die kulturellen Aktivitäten von Chemnitz eingebracht. Sie nimmt an den Tagen der Jüdischen Kultur und an der Verlegung von Stolpersteinen teil, die darauf abzielen, das jüdische Erbe der Stadt sichtbar zu machen. Bei ihren Besuchen des Antonplatzes empfindet sie eine Mischung aus Wehmut, Traurigkeit und Aufbruch. Sie ist entschlossen, der Geschichte des Ortes eine neue Bedeutung zu verleihen, die nicht nur ihre eigene, sondern alle Geschichten von Vertreibung und Ausgrenzung umfasst. Ihr Wunsch ist es, dass diese Geschichten künftig für alle Menschen erfahrbar sind und somit einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der Vergangenheit leisten.
Dans diesem Kontext plant Sommerfeld nicht nur Kunstprojekte, sondern möchte auch Dialoge fördern und Begegnungsräume schaffen. Sie sieht in ihrem Engagement die Möglichkeit, über die Geschichte hinwegzukommen und eine positive Zukunft für Chemnitz und seine Einwohner zu gestalten. Ihre Rückkehr ist somit nicht nur beruflich motiviert, sondern auch eine persönliche Heimkehr zu den Wurzeln ihrer Familie.
Abschließend ist zu sagen, dass Nirit Sommerfelds Rückkehr nach Chemnitz eine bedeutende Initiative für das kulturelle Gedächtnis der Stadt darstellen könnte. Ihre Projekte könnten einen integrativen Raum schaffen, in dem sowohl das Alten als auch das Neue der Stadt gewürdigt wird, was letztendlich zur Stärkung der Gemeinschaft beitragen kann. Der Kunst- und Kulturpavillon am Antonplatz könnte ein Symbol der Hoffnung und des Gedenkens werden.