In der Görlitzer Sammlungen befindet sich derzeit ein faszinierendes Projekt, das das Interesse von Kunstliebhabern und der Öffentlichkeit weckt. Christine Reiner, eine Diplom-Restauratorin, arbeitet an der Restaurierung eines etwa 200 Jahre alten Gemäldes, das eine Dame mit einer spitzenverzierten Haube darstellt. Der Zustand des Kunstwerks ist stark beschädigt – die Farben haben sich verdunkelt, die Farbschicht weist Brüche auf und die Leinwand ist stark rissig. Wie Sächsische.de berichtet, wurde das Gemälde in den 1980er-Jahren im Depot des Kulturhistorischen Museums wiederentdeckt. Die genauen Hintergründe der Herkunft des Gemäldes bleiben jedoch unklar, und Kunsthistoriker Kai Wenzel schätzt, dass es um 1820 entstanden ist.
Die Restaurierung erfolgt öffentlich jeden Freitag während der Museumsöffnungszeiten. Dieses offene Konzept ermöglicht es Interessierten, die Schritte der Restaurierung mitverfolgen zu können. Es wird vermutet, dass das Gemälde unsachgemäß vom Rahmen abgenommen wurde, was zu horizontalen Brüchen in der Farbschicht geführt hat. Reiner hat bereits mehrere Restaurierungsprojekte für die Görlitzer Sammlungen durchgeführt und führt derzeit Tests durch, um den Grad der Verschmutzung zu bestimmen. Dabei wird das Wattestäbchen, das sie zur Reinigung verwendet, schwarz.
Ein engagierter Beruf
Christine Reiner, die ursprünglich aus Blaubeuren in der Schwäbischen Alb stammt und seit 1997 in Görlitz lebt, bietet die Restaurierung des Gemäldes kostenlos für die Stadt Görlitz an. Ihr Ziel ist es, auf den Beruf des Restaurators aufmerksam zu machen und das Stadtbild zu erhalten. Insgesamt wird Reiner über 200 Stunden an der Restaurierung arbeiten, was den Wert des Bildes übersteigt. Zu den zukünftigen Schritten gehören das Reinigen, das Ergänzen der Leinwand, das Retuschieren von Schäden sowie das Aufspannen auf einen neuen Rahmen.
Parallel zu den Restaurierungsarbeiten wird in der Schatzkammer der Görlitzer Sammlungen eine Sonderausstellung mit dem Titel „Bücher. Eine Frage der Herkunft“ gezeigt. Diese Ausstellung behandelt historische Bibliotheken und deren Besitzmerkmale. Handschriftliche Einträge, Exlibris und Stempel erzählen Geschichten über Bücher und deren Eigentümer. Die Zuordnung dieser Merkmale zu bestimmten Sammlungen erfordert oft aufwändige Recherche. Provenienzforschung beschäftigt sich intensiv mit den komplexen Wegen, die Manuskripte und Druckwerke über die Jahrhunderte genommen haben. Informationen dazu finden sich auf der Website der Görlitzer Sammlungen: goerlitzer-sammlungen.de.
Die Kombination aus lebendiger Restaurierungsarbeit und der tiefgehenden Auseinandersetzung mit Buchgeschichte bietet der Öffentlichkeit die Möglichkeit, nicht nur Kunst, sondern auch Literaturgeschichte aktiv zu erleben und zu verstehen.