Oschatz befindet sich momentan im Griff winterlicher Temperaturen. Dennoch wird für den Sommer 2025 eine Hitzewelle mit Temperaturen über 30 Grad Celsius prognostiziert. Inmitten dieser wetterbedingten Extreme plant die Stadt, sich zu einer „Schwammstadt“ zu entwickeln. Dieses Konzept hat zum Ziel, Regen- und Oberflächenwasser vor Ort zu speichern und nachhaltig zu nutzen.
Ziel der Initiative ist es, das gesammelte Wasser zur Bewässerung von Bäumen und zur allgemeinen Verbesserung des Stadtklimas einzusetzen. Das Projekt „Oschatz Blau-Grün“, das vor einem Jahr gestartet wurde, geht 2025 in die Umsetzungsphase. Der Stadtrat hat einstimmig beschlossen, die Planung des Projekts an das Landschaftsarchitektur-Büro GFSL in Leipzig für 135.723 Euro zu vergeben.
Initiativen zur Schwammstadt
Der Ausgangspunkt der Schwammstadt-Entwicklung wird das Wohngebiet Oschatz-West sein. Dort soll die Dachentwässerung in das natürliche Grundwassersystem integriert werden. Unterirdisch wird Regenwasser von sechs großen Wohnblöcken in diesem Stadtteil gesammelt und dem Grundwasser zugeführt. Die Stadt Oschatz hat zudem im Herbst 2023 beim Projektwettbewerb SIMUL Plus ein Projekt eingereicht und dafür 150.000 Euro Preisgeld gewonnen.
Oschatz-West wurde gewählt, weil dort größere zusammenhängende Flächen vorhanden sind, die im Besitz der Stadt oder ihrer Tochterunternehmen sind. Neben Oschatz werden auch in den Städten Leipzig und Dresden ähnliche Projekte umgesetzt. Leipzig hat seit 2021 eine Strategie zur Schwammstadt entwickelt, die Modellregionen wie den Eutritzscher Freiladebahnhof umfasst. In Dresden wurde vor zwei Jahren die Arbeitsgruppe „Schwammstadt Dresden“ gegründet, die darauf abzielt, Einkaufsstraßen grüner zu gestalten.
Hamburg und Berlin gelten als Vorreiter in Deutschland bei Schwammstadt-Konzepten, die die Nutzung von Gründächern und dezentraler Regenwassersammlung fördern.
Zusätzlich wurde das Konzept der Schwammstadt entwickelt, um urbanen Raum widerstandsfähiger gegenüber den Herausforderungen des Klimawandels, insbesondere bei Starkregen, zu machen. Das Projekt zur schwammstadtartigen Infrastruktur untersucht die Gelingensbedingungen und berücksichtigt ausführliche Literaturrecherchen sowie Workshops mit Experten. Damit soll eine Strategie zur klimawandelangepassten Stadtentwicklung geschaffen werden.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Politikinstrumenten zur Etablierung blau-grüner Infrastruktur, die Teiche und begrünte Dächer umfasst. Diese Infrastrukturen können Regenwasser speichern, nutzen, verdunsten, versickern oder ableiten. Der erste Teil des Projekts konzentriert sich auf die praktische Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips zur Klimaanpassung.
Die Modernisierung von Dächern, einschließlich der Begrünung und der Kombination mit Solaranlagen, wird im zweiten Projektabschnitt angestrebt. Hierbei liegt der Fokus auf der Förderung der wirksamsten Gründachtypen sowie auf der Berücksichtigung von Umweltauswirkungen. Analysen von Ökobilanzdaten und die Entwicklung von Standardlösungen für eine recyclinggerechte Modernisierung sind ebenfalls Teil des Plans. Unterstützende Maßnahmen für Kommunen und Eigentümer, wie Musterlösungen und Ausschreibungsempfehlungen, sollen die Transformation zur klimaresilienten Schwammstadt vorantreiben.