Rettungsdienst im Wandel: Telenotarzt testet digitale Notfallversorgung!
Im Rettungsdienst Sachsen-Anhalts gibt es bedeutende Herausforderungen: Ein akuter Fachkräftemangel, eine Vielzahl an Bagatellbenachrichtigungen und längere Anfahrtszeiten als gesetzlich gefordert belasten das System erheblich. Vor diesem Hintergrund wurde am 2. März 2025 der Testlauf eines innovativen Telenotarzt-Systems bekannt gegeben, das zur Entlastung und Optimierung der notärztlichen Versorgung beitragen soll. Diese Maßnahme wird in den Landkreisen Mansfeld-Südharz, Saalekreis und der Stadt Halle durchgeführt, und das Innenministerium erhofft sich dadurch eine qualitative Verbesserung der Rettungsdienstleistungen. Laut MDR arbeiten derzeit 21 speziell geschulte Notärzte im Rahmen des Telenotarzt-Programms.
Das Telenotarzt-System, das erstmals 2014 in Aachen eingeführt wurde, ermöglicht es, dass Notärzte wie Hartmut Stefani in Halle bis zu drei Patienten gleichzeitig über Bild- und Tonübertragung sowie die Echtzeitübermittlung von Vitaldaten unterstützen können. Eine technische Stabilität wurde bereits getestet: Bei 250 Einsätzen gab es nur fünf Verbindungsprobleme, was für die Zuverlässigkeit des Systems spricht. Der Testbetrieb findet derzeit von Montag bis Freitag zwischen 7 und 19 Uhr statt.
Schulungsangebote und positive Erfahrungen
Um eine reibungslose Nutzung des Telenotarzt-Systems sicherzustellen, werden Schulungsangebote für die Besatzungen der Rettungswagen bereitgestellt. Die ersten Erfahrungen mit diesem neuen Konzept fallen positiv aus, jedoch gibt es noch keine Entscheidung über eine flächendeckende Einführung des Systems. Dennoch wird bereits die Möglichkeit eines weiteren Projekts in nördlichem Sachsen-Anhalt geprüft.
Die Einführung des Telenotarzt-Systems wurde im Rahmen eines Fachgesprächs am 27. November 2024 thematisiert. Organisiert von der vdek-Landesvertretung standen dabei die Verbesserungsmöglichkeiten der notärztlichen Versorgung im Vordergrund. Dieses Pilotprojekt zielt darauf ab, schnellere und gezielte Hilfe zu leisten und langfristig die Kosten im Rettungsdienst zu senken. Götz Ulrich vom Landkreistag sieht zudem die Wichtigkeit integrierter Kreisleitstellen für die nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr.
- Fachkräftemangel und Bagatellbenachrichtigungen belasten den Rettungsdienst.
- Testlauf des Telenotarzt-Systems seit Oktober 2023.
- Entwicklung von Schulungsangeboten für Rettungsdienstpersonal.
- Positive erste Erfahrungen mit dem Telenotarzt.
Die politische Diskussion um die Rolle des Telenotarzt-Systems und seine Integration in den bestehenden Rettungsdienst ist intensiv. Während einige Politiker wie Rüdiger Erben (SPD) die Experimentierklausel begrüßen, fordern andere wie Andreas Henke (Die Linke) eine bessere Vernetzung der Notfallversorgung. Tobias Niemann vom Malteser Hilfsdienst hebt die Notwendigkeit einer landesweiten digitalen Einsatzdokumentation und Echtzeit-Datenübertragung hervor, während Konstantin Pott (FDP) die Digitalisierung als Chance zur Effizienzsteigerung ansieht.
Die Aussicht auf eine flächendeckende Einführung des Telenotarzt-Systems in Sachsen-Anhalt steht und fällt mit den Erfahrungen, die im aktuellen Testlauf gesammelt werden. Die Diskussion um Datenschutz und die Integration digitaler Innovationen in bestehende Strukturen sind dabei zentrale Themen. Es wird angestrebt, den strukturellen Wandel im Rettungsdienst schrittweise umzusetzen und dabei die Bedürfnisse aller beteiligten Akteure zu berücksichtigen. Der Weg zur digitalen Optimierung ist beschwerlich, birgt aber auch große Chancen für eine verbesserte medizinische Versorgung in der Region.
