Der Flughafen Leipzig/Halle sieht sich einer prekären Situation gegenüber, da Betreiber Mitteldeutsche Flughafen AG eine erhebliche Reduzierung der Belegschaft plant. Derzeit beschäftigt das Unternehmen rund 1.200 Mitarbeiter. Ursprünglich wurden 122 Stellen zur Streichung vorgesehen, doch dieser Betrag könnte sich auf bis zu 250 Stellen erhöhen. Dies würde einen Verlust von ungefähr jeder fünften Stelle bedeuten und stellt eine ernsthafte Herausforderung für die gesamte Belegschaft dar. Der genaue Umfang des Stellenabbaus ist jedoch von den künftigen Rahmenbedingungen und der Auftragslage abhängig. Geplant ist, die Maßnahmen bis Ende 2026 abzuschließen, was den betroffenen Mitarbeitern wenig Zeit lässt, um sich auf diese Veränderungen einzustellen. Thüringen24 berichtet, dass der Stellenabbau unter anderem durch freiwillige Kündigungen, Renteneintritte und Altersteilzeitmodelle erfolgen soll, wobei betriebsbedingte Kündigungen möglichst vermieden werden sollen.

Im vergangenen Jahr wurden bereits mehr als 80 Stellen aufgrund eines „qualifizierten Einstellungsstopps“ abgebaut, was die Sorgen um die Arbeitsplatzsituation verstärkt hat. Insbesondere die Gewerkschaft Verdi äußert Bedenken hinsichtlich der Streichungen, welche vor allem die Führungsebene und die Verwaltung in Leipzig und Dresden betreffen. MDR hebt hervor, dass der operative Bereich, wie Frachtarbeiter und Check-In-Mitarbeiter, nur geringfügig betroffen sein soll. Allerdings erwartet die Gewerkschaft massive Streichungen im operativen Sektor, während sie gleichzeitig auf bestehende Personalengpässe hinweist und feststellt, dass jeder Mitarbeiter am Flughafen dringend benötigt wird.

Folgen für Reisende

Die Auswirkungen dieser Stellenstreichungen auf Reisende könnten gravierend sein. Obwohl die Flughafen AG nicht konkretisiert hat, wie sich die Reduzierung des Personals auf den Passagierbetrieb auswirken wird, prognostiziert Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt, dass es zu Verzögerungen und längeren Wartezeiten beim Gepäck kommen könnte. Airlines könnten gezwungen sein, Flugzeiten zu verschieben, um mit den neuen Personalstrukturen umzugehen. Dies könnte nicht nur zu unattraktiveren Abflugzeiten führen, sondern auch die allgemeine Reiseplanung beeinträchtigen.

Die Luftfahrtbranche befindet sich derzeit in einer kritischen Phase. Die Folgen der Corona-Pandemie haben zu einem eklatanten Fachkräftemangel in der Branche geführt. Eine Analyse des IW Köln zeigt, dass die Beschäftigung im Luft- und Bodenpersonal erheblich gesunken ist. Seit dem Ende 2019, als der Personenverkehr fast vollständig zum Erliegen kam, haben viele Fachkräfte die Branche verlassen und Arbeit in anderen Sektoren gesucht. Dies hat zur Folge, dass der Flugverkehr noch nicht wieder auf das Vorkrisenniveau zurückgekehrt ist und weiterhin von personellen Engpässen betroffen ist.

Die Beschäftigungsverluste in der Luftfahrt waren erheblich; zwischen 2018 und 2021 fiel die Anstellung um 4,1 Prozent, während andere Branchen in dieser Zeit nur um 1,1 Prozent zulegten. Besonders betroffen sind zentrale Berufe im Luft- und Bodenpersonal, wo die Zahl der Beschäftigten um rund 6.000 gesunken ist. Dies alles zeigt, dass die Normalisierung des Flugverkehrs durch fehlende personelle Kapazitäten behindert wird. Um ehemalige Beschäftigte zurückzugewinnen, muss die Branche ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigern.

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